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Erfahrungsbericht – Zuger Medizintechnikfirma an französischen Grosskonzern verkauft

veröffentlicht am 31.01.2019 | Jérôme Andermatt

Die ImmoFirm AG begleitete als exklusive Transaktionsberaterin für den Verkäufer der Medizintechnikfirma Megamed AG den gesamten Transaktionsprozess und veräusserte das in der Heimbeatmung erfolgreich geführte Unternehmen an den französischen Grosskonzern Air Liquide S.A. Ein Erfahrungsbericht zur Transaktion und Stimmen der Direktbeteiligten.

Vorstellung und Ausgangslage Verkauf Megamed AG

Das in zweiter Generation geführte Familienunternehmen Megamed AG wurde in den 70er-Jahren gegründet und hat sich im Bereich der Medizintechnik auf die Heimbeatmung spezialisiert. Heute agiert die Firma mit 5 Mitarbeitern als reines Handelsunternehmen und liefert ein breites Spektrum an Geräten für die mechanische Heimventilation. Aufgrund der Spezialisierung auf den Handel und Service von Lifecare-Geräten bei schwerwiegenden Krankheiten mit lebensnotwendigen invasiven und nicht-invasiven Beatmungen hat sich das Unternehmen in diesem Nischenmarkt in der Schweiz einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Namhafte Spitäler, Kliniken und Heime fungieren im Kundenstamm des Unternehmens. Beeindruckend zeigen sich insbesondere auch die Margenentwicklungen. Diese Ausgangslage vor Verkauf zeugte von einer nachhaltigen und operativ sehr guten Geschäftsführung.

Der Eigentümer Andreas Gürtler wollte seine Firma altershalber verkaufen und hatte sich für eine externe Lösung entschieden. Die ImmoFirm AG erhielt das exklusive Verkaufsmandat. Nach einer intensiven Vorbereitungszeit mit Analysen zum Unternehmen, Bewertung und Verkaufspreisfindung sowie Erstellung eines zielgruppengerechten Firmenéxposes mit einer klaren Vermarktungsstrategie startete die Käufersuche und -selektion. Dabei konnte die ImmoFirm AG durch ihr grosses Käufernetzwerk 59 interessierte Kandidaten für das Projekt begeistern. Mit insgesamt 10 Parteien führte man intensive Verhandlungsgespräche, aus welchen schliesslich 4 konkrete Übernahmeangebote resultierten. Der Verkäufer entschied sich schliesslich mit dem französischen Grosskonzern Air Liquide in engere Verhandlungen zu treten. Diese Entscheidung begründet Andreas Gürtler wie folgt: «Unter den Interessenten hat sich die Air Liquide als ideale Firma herauskristallisiert, weil sie in der gleichen Branche wie Megamed tätig ist und so für Kontinuität und Sicherheit für die Kundschaft und Mitarbeiter sorgt. Auch verfügen sie über kundiges Fachpersonal und passende Lieferanten. Wir können stolz sein, dass sich ein so grosser weltweit ausgerichteter Konzern für die Anliegen und das Tätigkeitsfeld einer so kleinen Firma wie die Megamed interessiert.»

Vorstellung Käuferpartei

Die Air Liquide S.A. mit Sitz in Frankreich, Paris ist ein Konzern mit Niederlassungen in über 80 Ländern und 65'000 Mitarbeitern weltweit. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Bereich von Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. Im Jahr 2017 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von rund 20 Milliarden Euro. Im Home Healthcare Markt beliefert Air Liquide über 1.5 Millionen Patienten und ist in sämtlichen Sparten der Heimbeatmungstherapien aktiv. In der Schweiz ist die Air Liquide durch ihre Tochterfirma Carbagas AG insbesondere in der Sauerstofftherapie aktiv. Für Stefan Neubauer, Director Air Liquide Healthcare Austria & Switzerland, waren verschiedene Gründe ausschlaggebend für den Kauf der Megamed AG: «Carbagas, eine Tochter der Air Liquide Gruppe ist in der Schweiz seit mehr als 125 Jahren in den Bereichen technischer und medizinischer Gase und deren Anwendungen aktiv. Die Betreuung von Patienten mit Atemwegserkrankungen sowohl im Spital als auch im eigenen Heim ist ein wichtiger Teil unseres Medizingeschäftes. Während wir historisch in der Schweiz bei der Versorgung von Patienten im eigenen Heim eine starke Marktposition in der Sauerstofftherapie halten, haben wir bereits Anfang 2018 unsere Angebotspalette mit dem Erwerb des Homecareproviders Sleep and Health mit Sitz in Marly im Bereich der Schlaftherapie erfolgreich erweitert. Auf dieser Basis war nun der Zusammenschluss mit Megamed, einem etablierten Versorger im Bereich invasiver und nicht-invasiver Heimbeatmung, ein logischer Schritt und eine perfekte Ergänzung unserer Angebotspalette. Megamed bringt in diesem Bereich ein umfassendes Know-how in unsere Gruppe ein.»

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Transaktionsabwicklung

Zu Beginn des Verhandlungsprozesses mit Air Liquide stand eine intensive Due Diligence Phase an. Aufgrund der intensiven Vorbereitungsarbeiten war der Verkäufer sehr gut dokumentiert, auch dank der äusserst guten Arbeit des Treuhänders. Die Air Liquide beauftragte ein externes Wirtschaftsprüferunternehmen für die Due Diligence, mit welcher die ImmoFirm AG über einen elektronischen Datenraum den Grossteil der Sorgfaltsprüfung begleitet und abgewickelt hat. Nebst diesem Datenraum wurden während zwei Tagen beim Verkäufer vor Ort in den Büroräumlichkeiten weitere käuferseitige Prüfungen vorgenommen. Sämtliche involvierte Berater der Käuferin waren schliesslich am zweiten Tag der Due Diligence anwesend, um erste Ergebnisse aus den bisher geprüften Unterlagen und Informationen zu besprechen. Für Andreas Gürtler war die Due Diligence äusserst intensiv: «Die Due Diligence-Phase war sehr spannend, interessant und lehrreich. Sie hat nebst der elektronischen Prüfung zwei volle Tage intensives Arbeiten vor Ort mit den verschiedensten Leuten in Anspruch genommen. Ich war froh, dass mich Herr Andermatt, Inhaber und Geschäftsführer der ImmoFirm AG, in dieser Zeit mit seinem Know-how gerade in den Bereichen Finanzen, Steuern und Recht unterstützt hat und so eine einwandfreie Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern und Juristen stattfinden konnte. Natürlich wurde die Megamed in allen wichtigen Punkten genaustens durchleuchtet und bis ins kleinste Detail geprüft. Überrascht war ich über den gut aufbereiteten Fragekatalog der Käuferin und die Abwicklung über den elektronischen Datenraum in Google Drive sowie die vielen involvierten Berater der Air Liquide, die an der Due Diligence teilnahmen. Man erkannte eine klare Struktur und Vorgehensweise, welche für den Konzern und dessen Entscheidungsträgern wichtig waren.»

Nachdem der Due Diligence Report vorlag und sämtliche Instanzen des Käuferkonzerns zum Kaufprojekt, welches übrigens bezugnehmend auf das feine Zuger Edelwasser den anonymisierten Namen «Kirsch» trug, grünes Licht erteilt haben, wurde eine letzte entscheidende Verhandlungsrunde angesetzt. Dabei wurden die Ergebnisse aus dem Report diskutiert und der Kaufpreis finalisiert. Zeitgleich wurden erste wichtige Elemente des bereits vorhandenen Kaufvertragsentwurfs verhandelt.

Transaktionsabwicklung mit der Käuferin Air Liquide:
Erstgespräche und Vorverhandlungen ab Juni 2018
Unterzeichnung Letter of Intent Mitte September 2018
Due Diligence-Phase Ende September 2018 bis Anfang November 2018
Verhandlungs- und Vertragsphase Ende Oktober 2018 bis Mitte Dezember 2018
Vertragsunterzeichnung kurz vor Weihnachten 2018 
Vollzug Anfang Januar 2019

Nach dieser definitiven mündlichen Einigung mit Handschlag folgte die eigentliche Vertragsverhandlung. Es war eine harte, aber faire Verhandlungsphase insbesondere geprägt vom Pragmatismus des Konzerns bzw. dessen Anwaltsvertreter einer international erfahrenen und in der Schweiz ansässigen Anwaltskanzlei. Die ImmoFirm AG wie auch die Anwälte der Käuferin konnten den Prozess im Sinne ihrer Parteien gut vorantreiben und es wurden nur wenige Entwurfsversionen des Kaufvertrages ausgearbeitet, bis der endgültige Kaufvertrag feststand. So erstaunte es wenig, dass das bereits im Anfangsstadium der Vertragsphase früh angesetzte Zieldatum für die Vertragsunterzeichnung entsprechend eingehalten werden konnte.

Mit dem Vollzug als letzten Akt des Transaktionsprozesses wurden die Aktien gegen Bezahlung des Kaufpreises physisch übertragen und sämtliche benötigten Vollzugsdokumente unterzeichnet. Stefan Neubauer war denn auch sehr zufrieden mit dem gesamten Prozess und meinte dazu: «Herr Andermatt von der ImmoFirm AG hat über den gesamten Prozess von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Nachbetreuung eine sehr professionelle Vermittlerrolle zwischen unserem Verhandlungsteam und dem Inhaber und Geschäftsführer von Megamed, Andreas Gürtler, auf Augenhöhe für beide Parteien wahrgenommen. Sein sachlicher und kompetenter Zugang zu den nicht immer einfachen Themen einer Unternehmensübernahme hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Transaktionsprozess reibungslos und in relativ kurzer Zeit für beide Parteien erfolgreich umgesetzt werden konnte.»

Für Andreas Gürtler endet nun eine lange Zeit als Inhaber der Firma. Wo ein Ende ist, ist bekanntlich auch ein Neuanfang. Die ImmoFirm AG wollte von Andreas Gürtler wissen, welche Pläne er nun nach dem Verkauf verfolgt: «Vorerst arbeite ich, wie vertraglich festgehalten, noch ein Jahr weiter. Ich werde das neue Personal einarbeiten und dann werde ich auch offiziell pensioniert sein. Ich werde das Leben etwas ruhiger nehmen und zusammen mit meiner Frau neue, uns interessierende Wege gehen. Hoffentlich werde ich auch mehr Zeit finden für meine Hobbys und natürlich auch für meine beiden Enkel. Dies alles vorausgesetzt, meine Gesundheit macht mit und hilft den nächsten Lebensabschnitt sinnvoll und befriedigend zu bewältigen.»

Die ImmoFirm AG möchte sich an dieser Stelle bei sämtlichen involvierten Parteien und Beratern für die äusserst angenehme Zusammenarbeit in dieser Transaktion bedanken. Für den neuen Lebensabschnitt wünscht die ImmoFirm AG Andreas Gürtler alles Gute und der Käuferin Air Liquide einen erfolgreichen weiteren Ausbau ihres Engagements im Bereich der Heimbeatmung in der Schweiz.

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